Sebastian Krämer - Im Glanz der Vergeblichkeit

Sebastian Krämer - Im Glanz der Vergeblichkeit
am 11.01.2020
Man weiß nicht, wer mehr zu bedauern ist, der Jammerlappen oder die, die er naß macht– während sich zeitgenössischer Deutschpop in der Exaltierung von Emotionen gefällt,verlegt Sebastian Krämer sich aufs Gegenteil: beispielhafte Contenance als... weiterlesen
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Bielefeld
Zweischlingen
Sa. 11.01.2020 21:00 Uhr Tickets ab 17,10 €

Event-Info

Man weiß nicht, wer mehr zu bedauern ist, der Jammerlappen oder die, die er naß macht– während sich zeitgenössischer Deutschpop in der Exaltierung von Emotionen gefällt,verlegt Sebastian Krämer sich aufs Gegenteil: beispielhafte Contenance als Umzäunungbeispielloser Abgründe.
Vergnügte Elegien (ein Genre, das zu diesem Zweck eigenserfunden werden mußte) führen den Beweis: Schlimmes kann durchaus bekömmlich sein– je nachdem, wie man es anrichtet.Die Quellen, aus denen diese etwas anderen Stimmungslieder schöpfen, sind dunkel.Dramatis personae: eine Puppe im Garten, eine Skulptur von Barlach, die Kinder einergeläuterten Hexe im Linienbus, Mops und Bienenstich. Was sich in den Augen dieser Figuren spiegelt wie die Lichter vorbeihuschender Fahrzeuge bei Nacht, erreicht uns nurals dumpfe Ahnung. Mediale Katastrophen verstauben auf Wiedervorlage; Krämer macht sich seine Sorgen noch selber. Und wie sich das für Sorgen so gehört, ist er noch nicht mit ihnen fertig geworden. Unter der Oberfläche beschwingter Melodien und eleganter Erzählungen schwelen Unheil, Trauer, Verlorenes, Vergebliches.Hobbies: in Kannibalen-Kochrezepten stöbern und alte Deutschklausuren orchestrieren. In den Kommentaren gibt sich Krämer kapriziös, in den Liedern lieblich bis derb.Sein musikalisches Vokabular reicht von Swing bis Wiener Schule. Und je burlesker die Fassade, desto filigraner die Botschaft. Das ist Klagen auf hohem Niveau.

Foto: Christian Biadacz