RAINBOW - plus Support

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am 12.06.2019
Foto: Global Concerts Die Geschichte von Ritchie Blackmore’s Rainbow ist mitnichten eine Geschichte voller Missverständnisse, sondern eine einmalige. Auch wenn die Band um den ehemaligen Deep Purple-Gitarristen mit einer Unterbrechung nur... weiterlesen
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München
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Event-Info

Foto: Global Concerts


Die Geschichte von Ritchie Blackmore’s Rainbow ist mitnichten eine Geschichte voller Missverständnisse, sondern eine einmalige. Auch wenn die Band um den ehemaligen Deep Purple-Gitarristen mit einer Unterbrechung nur knapp über zehn Jahre existierte, hat sie deutliche Spuren in der Rock-Historie hinterlassen. Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte einer Band, die am 12. Juni 2019 in der Münchener Olympiahalle ihr einziges Deutschland Konzert 2019 geben wird.

Nach der Umbesetzung des legendären Mark II-Line-Ups 1973 ist Ritchie Blackmore trotzdem nicht zufrieden: Mit der Hinzunahme von Sänger David Coverdale und Bassist/Sänger Glenn Hughes, die Ian Gillan und Roger Glover beerben, ändert sich der Sound der britischen Hardrock-Pioniere. Obwohl sie mit „Burn“ und „Stormbringer“ in einem Jahr (1974) zwei relativ erfolgreiche Alben auf den Markt bringen, gefällt dem Gitarristen die funkige Ausrichtung nicht. Als seine Stammband die von ihm vorgeschlagene Single „Black Sheep Of The Family“ (geschrieben von Steve Hammond von Quatermass) ablehnt, versucht er es allein. Im Dezember 1974 geht er mit vier Fünfteln der amerikanischen Band Elf ins Studio, die nicht nur mehrmals als Vorgruppe von Deep Purple fungierten, sondern auch bei deren Plattenfirma Purple Records unter Vertrag stehen. Die Zusammenarbeit mit Craig Gruber (b, gestorben 2015), Gary (dr, gestorben 1987), Mickey Lee Soule (k) sowie Sänger Ronnie James Dio (gestorben 2010) klappt reibungslos, es entsteht mit „Sixteenth Century Greensleeves“ ein erster eigener Song, im Februar und März 1975 nimmt die Band dann in den Münchner Musicland Studios im Arabella Park-Hotel mit Produzent Martin Birch (Fleetwood Mac, Deep Purple) ein komplettes Album auf.

Blackmore benennt seine neue Formation übrigens nicht etwa nach dem gigantischen Bühnen-Regenbogen auf dem ‚California Jam‘-Festival, auf dem Deep Purple am 6. April 1974 neben Emerson, Lake & Palmer Co-Headliner sind, sondern nach einer seiner Lieblingsbars, dem ‚Rainbow Bar And Grill‘, auf dem Sunset Boulevard in West Hollywood/Los Angeles. Am 7. April 1975 spielt Blackmore in Paris seine letzte Show mit Deep Purple, am 21. Juni wird sein Ausstieg offiziell bekannt gegeben. „Ritchie Blackmore’s Rainbow“ erscheint schließlich am 4. August.Wer ein weiteres Bombast-Rock-Statement des stets schwarz gekleideten Musikers erwartet hat, wird eines Besseren belehrt: Statt den Fokus auf seine zweifellos vorhandene Virtuosität zu legen, stellt Blackmore den Sound seiner neuen Gruppe in den Mittelpunkt, indem er seine Vorliebe für Johann Sebastian Bach auslebt.

Passend zu Dios Stimmumfang, kombiniert mit dessen Faible für mystische Mittelalterthemen, kreiert Blackmore Rocksongs mit deutlichen Verweisen auf die Renaissance und den Barock. Stücke wie „Man On The Silver Mountain“ basieren zwar auf markanten Rock-Riffs, aber mit den traumhaften Balladen „Catch The Rainbow“ und vor allem „Temple Of The King“ setzen Rainbow neue Maßstäbe. Obwohl das Album ein großer Erfolg wird (Platz 11 in England, Platz 30 in den USA),sucht sich der Namensgeber für die Live-Konzerte neue Musiker, einzig Dio bleibt an Bord. Mit dem englischen Drummer Cozy Powell (gestorben 1998), dem schottischen Bassisten Jimmy Bain und dem amerikanischen Keyboarder Tony Carey steht Blackmores Wunschformation, die am 10. November 1975 im kanadischen Montreal ihre Live-Premiere feiert. Mit nur neun Songs an neuem Material bauen Rainbow, wie die Band von nun an offiziell heißt, schon Stücke des Zweitlings „Rising“ ein, u.a. „DoYou Close Your Eyes“, „Stargazer“ und „A Light In The Black“. „Rising“ entsteht wie sein Vorgänger in München im Februar 1976, drei weitere Songs werden während der Proben geschrieben: „Tarot Woman“, „Run With The Wolf“ und „Starstruck“.

Der klassische Rainbow-Rock ist geboren, das Timing könnte nicht perfekter sein: Deep Purple haben sich inzwischen aufgelöst, Led Zeppelin müssen pausieren und Black Sabbath stecken mitten in einer Drogenkrise – allein Rainbow halten die Fahne des britischen Hardrocks hoch. Denn bei „Rising“ (Veröffentlichung: 17. Mai 1976) stimmt alles: Cover, Songs und Texte. Für die folgende siebenmonatige Welttour lässt sich Blackmore erneut etwas einfallen, denn der gewaltige Opener „Kill The King“ ist bis dato noch nicht aufgenommen, zeugt aber von der hohen Qualität, auf der diese, für viele beste, Rainbow-Besetzung arbeitet. Das Live-Dokument „On Stage“, kommt am 7. Juli 1977 auf den Markt, später folgen noch weitere Aufnahmender Tour, u.a. „Live In Germany 1976“ (1991, endlich auch mit dem ‚vergessenen‘ „Stargazer“) und eine Deluxe-Edition (2012).

Die Produktion des nächsten Studiowerks erweist sich aufgrund der Personalentscheidungen Blackmores als schwierig: Carey und Bain werden gefeuert,die Sessions im Sommer 1977 bei Paris sind chaotisch. Blackmore selbst muss auf einigen Songs von „Long Live Rock’n’Roll“ Bass spielen, bevor der Australier Bob Daisley (u.a. Chicken Shack) einsteigt. Mit dem neuen kanadischen Keyboarder David Stone wird das Album im Dezember 1977 beendet, nachdem die Band vorher ausgiebig tourt. Das dritte und letzte Album der Dio-Ära erscheint am 7. April 1978 und ist die Weiterführung des „Rising“-Konzepts: Mit dem schnellen „Kill The King“, dem episch-atmosphärischen „Gates Of Babylon“ (die einzige Aufnahme der kompletten neuen Besetzung), dem eingängigen „L.A. Connection“ und der Ballade „Rainbow Eyes“ ist die Klassiker-Dichte erneut hoch. Doch mit dem deutlich kommerzielleren Titelsong hat Blackmore die neue Marschrichtung angedeutet: Er möchte Rainbow, ähnlich wie es wenige Jahre zuvor Fleetwood Mac getan haben, neu erfinden und massentauglicher machen.

Das schmeckt Dio nicht, er steigt aus, Daisley und Stone werden im Dezember 1978 gefeuert. Blackmore holt seinen alten Deep Purple-Kollegen Roger Glover ins Boot, dieser wird nicht nur Produzent, sondern nach einigen Versuchen mit anderen Musikern auch Bassist. Außerdem empfiehlt Powell den englischen Keyboarder Don Airey (u.a. Colloseum II). Als Ian Gillan Blackmores Angebot nach einigen Jamsessions zwischen Weihnachten und Neujahr 1978 ablehnt und auch Brian Johnson (später AC/DC) nicht richtig passt, findet man mit Graham Bonnet (The Marbles) endlich den Dio-Ersatz. „Down To Earth“ (VÖ: 28. Juli 1979) ist der ersehnte kommerzielle Durchbruch: Mit den Singles „Since You Been Gone“, einer Russ Ballard-Komposition (Platz 6), und „All Night Long“ (Platz 5), sind Rainbow in den englischen Charts vertreten. In den USA hingegen geht der Plan nicht auf, „Down To Earth“ erreicht nur Platz 66, in England jedoch Platz 6 und in Deutschland 19.

Nach der ersten Ausgabe des ‚Monsters Of Rock‘-Festivals im englischen Donington Park am 16. August 1980, bei dem Rainbow nach u.a. Saxon, den Scorpions und Judas Priest vor 35.000 Zuschauern Headliner sind, steigt Powell, enttäuscht über die musikalische Neuausrichtung in Richtung Bands wie Foreigner, aus. Inmitten der Aufnahmen des nächsten Albums verschwindet auch Bonnet. Mit dem US-Sänger Joe Lynn Turner (Ex-Fandango) und seinem unbekannten Landsmann Bobby Rondinelli ist schnell Ersatz zur Stelle. „Difficult To Cure“ (VÖ: 3. Februar 1981) ist dank der Top 3-Single „I Surrender“ (erneut von Russ Ballard verfasst) ein weiterer Erfolg. Auch in den USA landet das fünfte Rainbow-Album auf Platz 50. Nach der Tour steigt Airey im Dezember 1981 aus, er wird durch David Rosenthal ersetzt. „Straight Between The Eyes“ (VÖ: 10. Juni 1982) ist erneut kommerziell ausgerichtet,die Single „Stone Cold“ wird in den USA ein Top 40-Hit, das Album landet dort auf Platz 30.

Rainbow sind auf dem Höhepunkt ihres Erfolges in Nordamerika, während sie ihre Heimat auf der Tour nicht berücksichtigen. Trotzdem kommt auch dort das siebte und letzte Album dieser Rainbow-Ära gut an: „Bent Out Of Shape“ (VÖ: 24. August 1983) mit seiner klassischen Radio-Single „Street Of Dreams“ und dem neuen Drummer Chuck Burgi (Ex-Balance) erreicht Platz 11, in Deutschland Platz 25, in denUSA Platz 34. Am 14. März 1984 spielen Rainbow ihren letzten Gig in Tokio/Japan, nachdem Blackmore einer Reunion von Deep Purple Mark II zugestimmt hat. Es folgen noch mehrere Compilations, u.a. „Finyl Vinyl“ im März 1986. Nach seinem zweiten Ausstieg bei Deep Purple 1993 reformiert er Rainbow erneut, allerdings nur für ein Album („Stranger In Us All“, 1995) und eine Tour und mit (damals) eher unbekannten Session-Musikern: dem Schotten Doogie White (v), den Amerikanern Paul Morris (k), Greg Smith (b) und John O’Reilly (dr). Am 31. Mai 1997 tritt diese Besetzung zum letzten Mal im dänischen Esbjerg unter dem Rainbow-Banner auf. Danach gründet der Namensgeber zusammen mit seiner Ehefrau Candice die Renaissance-Band Blackmore’s Night.

Der Rest ist eine andere Geschichte...