"CANTO OSTINATO" (Simeon ten Holt)

"CANTO OSTINATO" (Simeon ten Holt)
28.12.2019 – 29.12.2019
CANTO OSTINATO In der Fassung für zwei Pianisten Komposition von Simeon ten Holt (Niederlande) Die Aufführenden: STEFAN EDER - Grand Piano HEIDEMARIE WIESNER - Grand Piano Zum 13. Mal in Folge erlebt dieses außergewöhnliche Konzert... weiterlesen
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Event-Info

CANTO OSTINATO
In der Fassung für zwei Pianisten
Komposition von Simeon ten Holt (Niederlande)

Die Aufführenden:
STEFAN EDER - Grand Piano
HEIDEMARIE WIESNER - Grand Piano

Zum 13. Mal in Folge erlebt dieses außergewöhnliche Konzert jeweils zum Jahreswechsel seine Aufführung im Dresdner Pianosalon. Im Land seiner Entstehung, in Holland, ist es längst ein Kultstück: Neben der vom Komponisten geschaffenen Fassung für wahlweise 2 oder 4 Pianos entstanden in den vergangenen Jahren immer mehr und verschiedene Fassungen, bspw. für Saxophonquartett, für Harfe Solo und Duo, für Xylophon, Orgel, selbst für eine Rockjazzband. Einiges davon kann man bei youtube sehen.

Der Komponist SIMEON TEN HOLT wird 1923 im Norden der Niederlande geboren. Früh zeigt er große musikalische Begabung. Bei Jakob van Dromselaer studiert er Musik. 1949 geht er nach Paris, lernt bei Arthur Honegger und Darius Milhaud. 1954 kehrt ten Holt nach Holland zurück.
Ten Holt wohnt in einem Bunker aus dem 2. Weltkrieg, der bei Flut überspült wird. Seinen Flügel muss er auf Stützen stellen, damit er nicht im Salzwasser versinkt. Und so sitzt ten Holt mitten im Meer und arbeitet an seiner Musik. Eigenwillige Stücke entstehen, ganz im Zeichen der musikalischen Avantgarde. Dann, Anfang der 70er Jahre, ändert sich sein Stil.
Er wendet sich wieder der Tonalität zu, komponiert großflächiger und harmonischer.

CANTO OSTINATO, von vielen als sein Hauptwerk bezeichnet, wird 1979 nach dreijähriger Arbeit vollendet. Deutlich sind Bezüge zur späten Romantik, aber auch zur minimal music: Die Wiederholung, das hartnäckige Wiederkehren einer musikalischen Figur, ist ein wesentliches Element.
Seinen Interpreten lässt der Komponist ein hohes Maß an individueller Freiheit: Länge und Struktur der einzelnen Teile der Komposition sind variabel angelegt, so dass das Werk bei jeder Aufführung neu entstehen kann. Dies erfordert überaus intensiv miteinander arbeitende Pianisten.

„Das ganze Konzert atmet Lebendigkeit und Kraft; es eröffnet einen immensen inneren Raum und erinnert in vielen Passagen an den Rhythmus des Meeres, an wieder und wieder auf das Land treffende Wellen. Ein meditatives und zugleich zutiefst bewegendes Erlebnis, Musik, die intuitiv ist und elementar; ein Meisterwerk des Minimalismus, ein faszinierendes Werk, das an Schönheit gewinnt, je öfter man es hört." | 3sat | ZDF

2004 kommt es auf Initiative des späteres MZDW-Machers Andreas Grosse zur deutschen Erstaufführung des CANTO am Dresdner Societaetstheater. Die damals an der Semperoper Dresden engagierte Sonhild Viebach und der Dresdner Stefan Eder gestalten die beiden Aufführungen. Es bleiben die beiden einzigen Aufführungen dieses Duos.

Zum Jahresende 2007 spielen Stefan Eder und der Österreicher Johannes Wohlgenannt Zincke erstmals zusammen diese Komposition. Aufführungen in den kommenden drei Jahren (u.a. auch die Erstaufführung in Österreich) sollten folgen. 2010 veröffentlichten sie ihre Interpretation auf CD.

Wegen einer Erkrankung musste Johannes Wohlgenannt-Zincke ab 2011 auf seine Mitwirkung verzichten. In diesem Jahr sprang kurzfristig Prof Strohhäcker, Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation und Prorektor an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden, ein.
Nach einer Phase der Neuorientierung gewann Stefan Eder ab 2012 den ebenfalls in Dresden lebenden Pianisten Andreas Henkel. Ihre Aufführung war in den Jahren bis 2016 zu hören.
Andreas Henkel verstarb nach schwerer Krankheit 2017.

Nach der von Stefan Eder entwickelten Soloversion im Jahre 2017 haben sich erstmals im vergangenen Jahr mit Heidemarie Wiesner und Stefan Eder zwei umtriebige Pianisten zusammengetan, um der tieferen Bedeutung des Zitates "... und dann, wäscht und poliert das Meer, Zeit kristallisiert" von Simeon ten Holt im Kontext von Canto Ostinato nachzuspüren.

Sie haben dabei feinste und nuancenreiche Entdeckungen im Mikrokosmos der unendlichen 16tel Tonfolgen gemacht, die in der Umsetzung beim Hören erstaunliche, Raum ausdehnende und erfrischende Wirkungen, verursachen. Auf Grund der Singularität des Werkes sind diese Hörerfahrungen in dem besonderen Zusammenspiel der beiden Flügel vermutlich einzigartig.

Es entstand Canto Ostinato 6.0 in der neuesten Version für zwei Klaviere, mit schillernder Intensität und filigraner Durchsichtigkeit für lauschbereite Individuen und tiefenentspannte Minimalisten.
Einmal mehr bestätigt sich damit die so treffende Beschreibung von Maaike de Groot:

"Eigentlich gibt es keine Worte für diese Musik, man kann sie nicht wie andere Musik hören, es ist überhaupt ein Erlebnis nicht vergleichbar mit anderen Erfahrungen. Canto Ostinato ist Musik, in der man ertrinkt. Man wird transformiert, in einem tranceartigen Zustand fühlt man alles, was man fühlen kann: Hoffnung, Trauer, Glück und Angst. Der Stuhl, auf dem man sitzt, verschwindet, alles um einen herum löst sich auf. Es gibt nur diese unendliche Musik mit ihren feinen, hypnotisierenden Veränderungen, immer dann, wenn man es fast nicht mehr ertragen kann. Das ist die unerträgliche Leichtigkeit des Seins."


STEFAN EDER, musikalischer Grenzgänger in verschiedensten Genres des 20. und 21. Jahrhunderts, liebt die feinen, fließenden Veränderungen, die gerade durch das langsame Voranschreiten mit den steten Wiederholungen in der Minimal Music genügend Raum zur Entfaltung erhalten. Im 14. Jahr nach seiner deutschen Erstaufführung von Canto Ostinato, nach einem live- Mitschnitt des Werkes auf zwei Bösendorfer Imperial Flügeln in Wien, der als CD veröffentlicht wurde, nach Aufführungen in Beirut im Libanon und einer Soloversion im letzten Jahr in Dresden ist Canto Ostinato für ihn aufregender und spannender denn je, wie ein unendlicher Kosmos, den es immer wieder neu zu entdecken gilt.

HEIDEMARIE WIESNER, in Bautzen geboren, debütierte 1987 als Solistin mit der Staatskapelle Dresden in der Semperoper. Von 1987-1991 studierte sie an der Hochschule für Musik “Felix Mendelssohn Bartholdy” in Leipzig. Aufbaustudium am Sweelinck Conservatorium Amsterdam, Meisterkurse u. a. bei G. Sebøk, P. Badura-Škoda, A. Schiff und P. Jarchow.
1998 zog sie nach Mailand. In Italien behauptete sie sich als Konzertpianistin, Klavierpädgogin und Organisatorin von Konzertreihen ("Casa Cini" in Ferrara, "Matinée Classique" und der Künstlertreffen „Art Salon“ in Mailand)
2010 verlegte sie ihren Standort nach Berlin, von wo aus sie ihre künstlerischen und didaktischen Aktivitäten fortsetzt: Konzertreisen als Solistin und Kammermusikerin führten sie z.B. nach Den Haag, London und Wien, Kopenhagen und Prag, Hermannstadt, Warschau, Breslau, Danzig, München, Leipzig und Perth. Der „Art Salon“ siedelte mit ihr nach Berlin über, dort entstand 2017 die Konzertreihe "MiMu" (MittagsMusik) in Charlottenburg und musikalisch-didaktische Vorträge mit Peter Jarchow, der ihr künstlerischer Mentor ist.
Ein besonderes Anliegen ist ihr die Förderung und Verbreitung des sorbischen Musikschaffens. In den 90ern rief sie die durch die Stiftung für das sorbische Volk geförderte Reihe „Das besondere Konzert zur Jahreswende“ ins Leben, in der sie jedes Jahr mit internationalen Musikern Werke sorbischer Komponisten zur Uraufführung bringt. 2017 spielte sie die CD „150 Jahre sorbisch/wendische Klaviermusik“ ein.

Die P R E S S E zur Dresdner Aufführung:

"Im Coselpalais sorgte eine fabelhafte Interpretation zweier Pianisten für den rechten Drive des Werkes, das in den Niederlanden Kult-Charakter besitzt."
Alexander Keuk | SÄCHSISCHE ZEITUNG

"Die Kommunikation zwischen den Pianisten war perfekt und die Aufführung einem Optimum sehr nahe."
Peter Zacher | DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN